Erfahrungsbericht 3. Mammutmarsch NRW 2020

Frei nach „Dinner for One“ könnte man sagen same procedure as every year. Wie in den Jahren 2018 und 2019 habe ich auch im Jahr 2020 wieder an dem Mammutmarsch NRW teilgenommen. Ich bin super glücklich berichten zu können, dass ich die komplette Distanz von 100 km geschafft habe und zufälligerweise fast die komplett identische Zeit wie im letzten Jahr benötigt habe (2019 = 19:14 Stunden vs. 2020 = 19:12 Stunden). Doch bevor ich mit meinem Erfahrungsbericht zum Mammutmarsch NRW 2020 beginnen möchte, zunächst noch etwas allgemeines.

Wie schon in meinem Blog Artikel „Mammutmarsch in Zeiten von Corona“ beschrieben, hat Corona auch die Mammuts fest im Griff. So mussten selbstverständlich und korrekterweise Hygienevorgaben und Abstandsregeln eingehalten werden. Doch trotz potentieller Beeinträchtigungen – die aus meiner Sicht bei einem Extremmarsch sehr gering ausfallen – habe ich mich riesig gefreut, dass der Marsch überhaupt stattgefunden hat. Als Anfang des Jahres der Lockdown kam und Veranstaltung um Veranstaltung abgesagt wurden, habe ich irgendwann nicht mehr an eine Durchführung eines Marsches im Jahr 2020 geglaubt. Daher war ich umso glücklicher als die positive Nachricht vom Mammutmarschteam kam.

Urkunde Mammutmarsch NRW 2020

Die Vorbereitung auf den Mammutmarsch NRW 2020

Ehrlich gesagt war die Vorbereitung auf den Mammutmarsch quasi nicht existent. Trotz, dass ich immer auf meinen Trainingsplan und meine Marschvorbereitung hinweise, muss ich gestehen, dass ich dieses Jahr selbst nur sehr wenige Trainingsmärsche gemacht habe und somit nicht optimal vorbereitet war. So standen lediglich ein 43 km Marsch im Juni und ein 50 km Marsch Ende August auf der Habenseite. Doch war mein Fitnesslevel dieses Jahr nochmal höher als letztes Jahr. Als Vorbereitung auf meine erste Marathondistanz bin ich dieses Jahr bereits viele hundert Kilometer gejoggt und habe dabei wöchentlich Läufe mit Distanzen zwischen 20 und 30 km absolviert.

Dennoch habe ich mich im Gegensatz zum letzten Jahr nicht so optimal vorbereitet gefühlt. Ich war daher sehr gespannt, wie der Mammutmarsch NRW für mich verlaufen würde.

Mammutmarsch NRW 2020

Der Start und der erste Abschnitt bis zum Verpflegungspunkt 1

Bei perfektem Wanderwetter und Temperaturen knapp über 20° bin ich zusammen mit meinem Kumpel Claus in der zweiten Startgruppe an den Start gegangen. Beim Start gab es coronabedingt einige Änderungen zu den letzten Jahren. So durfte man den Startbereich erst 30 min vor dem Start der eigenen Startgruppe betreten. Zusätzlich musste beim Start eine Maske getragen und auf den Abstand zu den anderen Teilnehmern geachtet werden. Darüber hinaus waren die Startgruppen auf 150 Personen beschränkt und es wurden weniger Servicedienstleistungen als normal angeboten. Alle Details und Einschränkungen findest du in meinem Blog-Artikel.

Der Start fand wieder auf der Wuppertaler Nordbahntrasse an der Skakter- und Biker-Halle Wicked Woods statt. Doch waren die Startzeiten in diesem Jahr 2 Stunden vorgezogen und so ging es für die ersten Startgruppe bereits um 13:00 Uhr auf die 100 km Runde und wir starteten um 13:30 Uhr mit der zweiten Gruppe in unser Abenteuer.

Zunächst verlief die Route für die ersten 8 km über die Nordbahntrasse, ehe die Strecke Richtung Gevelsberg abbog. Während des ersten Abschnitts ist man ein einigen „Lost Places“, also verlassenen Gebäuden / Orten, vorbeigekommen. Bei dem wunderschönen Wetter und dem strahlenden Sonnenschein war aber vor allem das Stefansbachviadukt wieder eines der Highlights auf dem ersten Abschnitt.

Lost Places an der Wuppertaler Trasse

Nach 18 Kilometern war der erste Verpflegungspunkt erreicht. Allerdings waren Claus und ich so super drauf und auch die Trinkblasen und Trinkflaschen noch gut gefüllt und so entschieden wir uns kurzerhand den ersten Verpflegungspunkt zu überspringen und direkt die zweiten Etappe in Angriff zu nehmen. Natürlich haben dabei auch die Corona-Vorgaben, mit der Dokumentation der Aufenthaltszeiten und Anstandsregeln, unseren Entschluss begünstigt. Rückblickend betrachtet war dies für uns auch auf jeden Fall die richtige Entscheidung.

Der verbesserte zweite Abschnitt

Im Gegensatz zum letzten Jahr war aus meiner Sicht der zweite Abschnitt in doppelter Hinsicht verbessert. Zum einen empfand ich die Tatsache, dass wir den zweiten Abschnitt aufgrund des früheren Starts komplett bei Tageslicht gewandert sind, als sehr angenehm und zu anderen war die Route deutlich angenehmer als beim letzten Marsch.

Letztes Jahr hatte der zweite Streckenabschnitt sehr viele Höhenmeter und verlief von Gevelsberg in Richtung Hagen. Dieses Jahr hingegen ist man wieder stärker auf die Route von 2018 zurückgegangen. Somit ging es in Richtung Wetter und vorbei an einem Golfplatz sowie dem Wasserschloss Werdringen. Dieser Abschnitt war somit definitiv eine positive Veränderung zum letzten Jahr.

Bei einsetzender Dämmerung erreichten Claus und ich nach 38 km und ca. 6:30 Stunden den zweiten Verpflegungspunkt.

Die Organisation und Auswahl waren wie immer sehr gut. Neben Wasser standen auch Eistee, Bananen, Milch- / Schokobrötchen, eingelegte Gurke, Müsliriegel, Schokoriegel, Salzstangen und weitere Lebensmittel kostenlos bereit. Lediglich die kontaktlose Übergabe via Brotdose war dieses Jahr neu.

Während der Vernaufspause am zweiten Verpflegungspunkt brach dann endgültig die Dunkelheit herein. Also haben wir die Stirnlampe rausgeholt und den dritten Abschnitt im Dunkeln in Angriff genommen.

Der Weg zum dritten Verpflegungspunkt im schweren Gelände und mit vielen Höhenmetern

Vom zweiten Verpflegungspunkt am Ruhr Viadukt (Herdeke an der Ruhr) ging es auf den extrem anspruchsvollen dritten Streckenabschnitt. Nicht umsonst geben die meisten Teilnehmern während dieses Abschnitts auf. Die Kombination aus einsetzender Dunkelheit, schwierigen Gelände und zunehmender Müdigkeit / Erschöpfung belastet jeden Teilnehmer extrem. So ist es nur logisch, dass sich das Teilnehmerfeld auf diesem Abschnitt stark ausdünnt. Auch dieses Jahr mussten wieder einige Abhänge und steile Aufstiege bewältigt werden.

Erfahrungsbericht Mammutmarsch NRW 2020

Wie bei allen bisherigen Märschen auch, habe ich mir vor dem Marsch sowohl die Route als auch das Höhenprofil angesehen. Dadurch kann man sich bereits vor dem Marsch einen guten Überblick über die Route verschaffen und einzelnen Passagen treffen einen nicht unvorbereitet. Daher mein Tipp an dich: Solltest du ebenfalls an einem Marsch teilnehmen, schau dir auch vorher die Strecke genau an und achte dabei auf Schlüsselstellen (sehr starke Anstiege / Abstiege oder potenziell unwegsames Gelände).

Geographisch verlief dieser Abschnitt mit einigen Schleifen zwischen Wetter und Witten, bis schließlich bei Kilometer 58 der dritte Verpflegungspunkt in Witten-Herbede am schönen Kemnader See erreicht war.

Trotz des anspruchsvollen Streckenprofils haben Claus und ich diesen Abschnitt ebenfalls zusammen bewältigt und nach 10:50 Stunden erreichten wir den dritten Verpflegungspunkt. Immer noch gut gelaunt und einigermaßen fit, füllten wir die Trinkblasen und Proviant auf. Anschließend ging es nach einer 20-minütigen Pause wieder auf die Strecke. Der vierte und bereits letzte Verpflegungspunkt war das Ziel.

„Mal eben 21 Kilometer entspannt an der Ruhr entlang“

Während des bisherigen Marsches hatte ich immer gesagt, dass der vierte Abschnitt ganz entspannt sei, schließlich geht es ja nur ein bisschen entlang des Kemnader Sees und der Ruhr. Also ist man quasi ruck zuck schon am vierten Verpflegungspunkt.

Grundsätzlich ist die Aussage auch nicht ganz falsch, schließlich ging es tatsächlich entlang des Kemnader Sees und der Ruhr. Doch gab es auch einen Abschnitt zwischen Kilometer 63 und 69 mit einigen Höhenmetern. Diese hatte ich so während meiner Analyse vor dem Marsch nicht wahrgenommen.

Impressionen aus der Nacht

Der vierte Abschnitt wurde dann mit einem alt bekannten Berg abgeschlossen – ich nenne ihn liebevoll „den Anstieg des Todes“. Dieser Berg war mir bereits aus den letzten Jahren bekannt und führt zum vierten Verpflegungspunkt. Der Berg hat es wirklich in sich, denn es müssen über 150 HM mit einer Steigung von 20-30 % bewältigt werden… Nach fast 15 Stunden wandern und einer Distanz von über 75 km in den Beinen, ist so ein Anstieg definitiv eine große Herausforderung. Vor allem wenn man dem ersehnten Verpflegungspunkt bereits so nah ist.

Doch unbeirrt und langsam dem großen 100 km Ziel vor Augen, erreichten Claus und ich nach 14:55 Stunden den vierten Verpflegungspunkt. Da es sich in der Nacht auf einstellige Werte abgekühlt hatte, entschieden wir uns nur eine kurze Pause einzulegen und nach wiederrum 20 min Auszeit den letzten Abschnitt in Angriff zu nehmen.

Der letzte Abschnitt – Spaß vorbei, aber das Ziel vor Augen

Nach fast 80 km nochmal die Motivation zu finden, sich auf die letzten 20 km zu machen, ist jedes Mal aufs Neue eine riesige Herausforderung. Aber es hilft halt alles nichts: was sein muss, muss sein. Also hieß es wieder: Trinkblase verstauen, Proviant einstecken, den „geliebten“ und gefühlt immer schwerer werdenden Rucksack aufsetzen. Anschließlich muss man „nur noch“ die müden Knochen dazu bringen, sich zu bewegen.

Auf dem letzten Abschnitt zeigten sich nun die negativen Seiten des früheren Starts. Bei den vorherigen Märschen war es zu diesem Zeitpunkt bereits hell. Dieses Jahr begann die Morgendämmerung erst während des letzten Abschnitts und so mussten wir noch ca. 10 weitere Kilometer wandern, bis die Sonne langsam aufging. Ich kann dir sagen, die Dunkelheit fördert definitiv nicht die Motivation und wirkt sich auch nicht positiv auf die Psyche aus.

Leider kam noch hinzu, dass sich Claus und ich nach knapp über 80 km trennen mussten. Unsere Kraftreserven waren einfach zu unterschiedlichen und so musste ab da jeder sein eigenes Tempo laufen. Doch über 80 km zusammen unterwegs zu sein, ist auf jeden Fall eine tolle Sache und man kann sich super gegenseitig motivieren.

Durch die kleineren Startgruppen und die längeren Abstände zwischen den einzelnen Startgruppen, hatte sich das Feld bereits früh auseinander gezogen. Im Gegensatz zu den vorherigen Jahren war man so schon früh relativ alleine auf der Strecke und hat nur noch ziemlich vereinzelt andere Teilnehmer getroffen.

Also hieß es dann fast alleine die letzten knapp 20 km bis ins Ziel zu laufen. Glücklicherweise war die Strecke dieses Jahr viel besser ausgeschildert und man hatte relativ wenig Probleme die richtige Route zu finden. Vor allem der letzte Abschnitt war im letzten Jahr katastrophal markiert. Ohne GPS-Gerät wäre man da niemals ins Ziel gekommen, doch die Markierungen waren dieses Jahr deutlicher und häufiger.

Die Strecke war ebenfalls verbessert und führte durch einige Wälder mit noch vielen Höhenmetern von Hattingen in Richtung Wuppertal. In der Nähe vom Dörnberg erreichte man dann wieder Wuppertaler Stadtgebiet. Weiter verlief die Strecke durch Hatzfeld und den Wuppertaler Nordpark, bis man schließlich wieder auf der Nordbahntrasse angelangt war. Nach ziemlich genau 100 km erreichte man wieder Wicked Woods an der Trasse. Man war also wieder dort angekommen, wo man vor nicht allzu langer Zeit gestartet war.

Das Ziel des Mammutmarsches NRW 2020

Wie immer war der Zieleinlauf ein unglaubliches Gefühl und man konnte schon die ein oder andere Träne verdrücken. Leider war dieses Jahr der Zieleinlauf coronabedingt weniger spektakulär, dennoch war die Freude natürlich riesig. Corona hin oder her, die Medaille, das Finisher-Armband, die Urkunde und das Finisher-Bier gab es selbstverständlich auch in diesem Jahr wieder. Wie eingangs erwähnt, bin ich zwei Minuten schneller gewesen also 2019. Mal schauen, ob ich nächstes Jahr dann die Strecke in unter 19 Stunden schaffe.

Fazit – Erfahrungsbericht Mammutmarsch NRW

Nach dem Marsch und einer erfrischenden Dusche gab es noch ein leckeres Frühstück. Anschließend musste erstmal ein wenig Schlaf nachgeholt werden. Wie in den letzten Jahren, war auch 2020 der Mammutmarsch NRW wieder eine große Freude und super durch das Mammutmarsch Team organisiert. Vor allem in der aktuellen Lage war es sehr schön, endlich wieder ein Event zu haben, auf das man sich freuen konnte.

Die Corona-Vorgaben wurden aus meiner Sicht super umgesetzt und es gab für die Teilnehmer auf der Strecke und an den Verpflegungspunkten keine spürbaren Beeinträchtigungen. Lediglich die verringerten Serviceangebote, wie den eingeschränkten Shuttleservice und den ausgefallenen Gepäcktransport, waren sicher für einige Teilnehmer ein Nachteil.

Der frühere Start hatte sowohl Vorteile als auch Nachteile. Ich persönlich starte lieber früher und bin dann sonntags auch früher im Ziel. Der Nachteil ist dabei die gefühlt längere Nacht, da man bereits viele Kilometer in den Beinen hat, wenn es dunkel wird. Doch ich fände es gut, wenn die früheren Startzeiten beibehalten werden würden.

Alles in allem ziehe ich ein sehr positives Fazit vom Mammutmarsch NRW 2020. Die Strecke war schöner, die Markierungen erheblich verbessert und die Organisation mammutmarschtypisch top. Insgesamt haben es 42,8% der Teilnehmer ins Ziel geschafft, dies ist für den extrem anspruchsvollen Mammutmarsch NRW eine sehr hohe und tolle Finisherquote.

Ich hoffe, ich konnte dir auch dieses Jahr wieder mit meinem Erfahrungsbericht ein gutes Bild vom Mammutmarsch NRW vermitteln. Die Frage, ob ich nächstes Jahr wieder teilnehmen werden, stelle ich nun nicht mehr. Ich gehe stark davon aus, dass ich mich dem Event nicht entziehen kann. Wie immer erfährst du natürlich hier im Blog, an welchen Veranstaltungen ich nächstes Jahr teilnehmen werde. Wenn auch du am Mammutmarsch NRW teilgenommen hast, dann lass doch gerne ein Kommentar dar oder schick mir eine E-Mail.

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