Erfahrungsbericht Mammutmarsch NRW (2019)

Ich habe an dem Mammutmarsch NRW 2019 teilgenommen und natürlich bekommst du nun wieder einen ausführlichen Erfahrungsbericht. Aber Moment mal, kommt es dir irgendwie bekannt vor? Das kann durchaus sein, denn schließlich habe ich bereits am Mammutmarsch NRW 2018 teilgenommen und dort ebenfalls einen Erfahrungsbericht geschrieben. Da der Mammutmarsch NRW in meiner Heimatstadt Wuppertal startet, konnte ich es mir nicht nehmen lassen, auch dieses Jahr wieder an den Start zu gehen.

Ich bin super happy, denn ich konnte den Mammutmarsch wieder erfolgreich beenden und benötigte für die 100 km 19:14 Stunden. Getrübt wurde der „Spaß“ nur durch meine Schmerzen im linken Fuß, die sehr ähnlich zu denen waren, die mich zum Aufgeben beim Mammutmarsch Berlin gezwungen hatten. Doch nun erst einmal alles der Reihe nach…

Streckenprofil Mammutmarsch NRW 2019
Streckenprofil Mammutmarsch NRW 2019

Meine diesjährige Vorbereitung auf den Mammutmarsch

Nachdem ich im letzten Jahr mit sehr viel Euphorie an das Training für den Marsches ran gegangen bin, wusste ich dieses Jahr was mich erwartete. Dementsprechend war meine Euphorie nicht ganz so groß, trotzdem war ich natürlich bis in die Haarspitzen motiviert. Wie ich bereits mehrfach in anderen Berichten erwähnt habe, wollte ich dieses Jahr gerne an vier 100 km Märschen teilnehmen. Da der erste Marsch (Mammutmarsch Berlin) bereits Ende Mai 2019 stattfand, musste ich bereits früh im Jahr mit dem Training beginnen.

Vor dem Mammutmarsch Berlin habe ich mir einen Trainingsplan aufgestellt und sechs Trainingsmärsche mit insgesamt ca. 285 km absolviert. Nach dem Mammutmarsch Berlin habe ich noch an dem Bergischen Wandertag (100 km) und dem Megamarsch Ruhrgebiet (100 km) teilgenommen. Zwischen den Märschen bin ich fast ausschließlich gejoggt, sodass lediglich 2x 30km, ein 35km und ein 50 km Training zusätzlich zu den Märschen auf dem Tacho stehen.

Alles in allem muss ich sagen, ich habe mich ziemlich gut vorbereitet gefühlt für den Mammutmarsch NRW.

Mammutmarsch NRW 2019

Der Start und der erste Teilabschnitt

Mein Erfahrungsbericht zum Mammutmarsch NRW 2019
Mein Erfahrungsbericht zum Mammutmarsch NRW 2019

Bei wunderschönem Wetter mit strahlendem Sonnenschein und Temperaturen um die 25° ging es am Samstag (14.09.19) ab 15:00 Uhr los. Claus, ein fleißiger Leser meines Blogs und Besucher meiner Homepage hatte mich im Vorfeld des Marsches angeschrieben, ob wir nicht zusammen an den Start gehen wollen. Über diese Nachricht habe ich mich sehr gefreut (an dieser Stelle nochmal viele Grüße!). Gesagt, getan und so ging es für uns mit der dritten Startgruppe um 15:20 Uhr los auf den ersten Teilabschnitt. Für Claus war es die erste Teilnahme an einem 100 km Extremmarsch und so haben wir bereits vor und während des Marsches viel über Themen rund um den Mammutmarsch gefachsimpelt.

Der Start war wie im Vorjahr wieder an der Wuppertaler Nordbahntrasse am alten Bahnhof Wichlinghausen. Der erste Streckenabschnitt war komplett identisch zum Marsch im Jahr 2018. Also ging es ein ganzes Stück über die Nordbahntrasse und anschließend ab ca. Kilometer 13 über kleinere Wege und Trampelpfade in Richtung Gevelsberg. Kurz vor dem ersten Verpflegungspunkt lief man noch durch das schöne Stefansbachviadukt und anschließend befand sich der erste Verpflegungspunkt (VP) bei Kilometer 18. Claus und ich waren super drauf und erreichten nach ziemlich genau 3 Stunden den VP 1. Wir machten eine kurze Pause, füllten unsere Wasserreserven wieder auf und aßen Müsliriegel, Gewürzgurken und eine Banane.

Viadukt vor dem ersten Verpflegungspunkt
Das Stefansbachviadukt

Nach weniger als 15 Minuten Pause und dem Gefühl, den ersten Abschnitt sehr schnell und entspannt bewältigt zu haben, ging es wieder zurück auf die Strecke. Wir nahmen also den zweiten Streckenabschnitt (20 km) in Angriff.

Der zweite Abschnitt und die Strecke wurde rauer

Nachdem der erste Streckenabschnitt mit der relativ langen Distanz über die Wuppertaler Nordbahntrasse noch relativ „entspannt“ war, wurde die Strecke im zweiten Abschnitt deutlich hügeliger.

Nachdem wir den Verpflegungspunkt eins verlassen hatten, ging es quer durch Gevelsberg un anschließend durch den Wald in Richtung Hagen-Haspe. Dort angekommen musste Haspe durchquert werden und anschließend verlief die Strecke über den Berg in Richtung Hagen-Vorhalle. Nun hatten die Dämmerung bzw. Dunkelheit schon merklich zugenommen, sodass wir den großen Güterbahnhof in Hagen in der Dunkelheit sahen. Damit war auch bereits der zweite Abschnitt fast geschafft. Claus und ich erreichten nach 38 km und einer Gesamtzeit von 6:45 Stunden den zweiten Verpflegungspunkt etwas zeitversetzt, da wir uns bei einem Abstieg aus den Augen verloren hatten.

Güterbahnhof Hagen

Dennoch machen wir natürlich anschließend gemeinsam Pause gemacht. Wieder wurden die Trinkblase sowie die Flaschen aufgefühlt und wir haben uns mit Powernahrung für den dritten Abschnitt gestärkt.

Die Auswahl an den Verpflegungsstellen war sehr ähnlich zum letzten Jahr: Wasser, verschiedene Müsliriegel, Salzstangen, Gewürzgurken, Gummibärchen, Bananen und einiges mehr. Ebenfalls waren wie im vergangen Jahr wieder Stände aufgebaut, an denen kostenpflichtige Dinge wie alkoholfreies Bier, Kaffee, Tee und warme Speisen erworben werden konnten.

Nachdem ich meine Füße mit meinem persönlichen Wundermittel gegen Blasen, der Hirschtalgcreme*, eingerieben hatte, machten sich Claus und ich auf in die Dunkelheit, um den dritten Streckabschnitt (20 km) zu bezwingen.

Und es wurde langsam kalt….

Mammutmarsch Logo auf der Viaduktsäule

Kilometer 38 bis 58 oder… wandern in der Dunkelheit im extrem schweren Gelände

Der zweite Verpflegungspunkt war in Herdecke an der Ruhr. Von dort aus ging es quer durch den Wald mit sehr vielen Serpentinen in Richtung Witten. Wer schon mal in den Bergen war, der weiß, dass Serpentinenwege selten für flaches Gelände bekannt sind. So war es auch in diesem Abschnitt. Es mussten sehr viele Höhenmeter bewältigt werden. Bei ca. Kilometer 45 gab es sogar einen so steilen Abstieg, dass man sich zusätzlich an einem Seil festhalten musste, da man sonst niemals den Weg sturzfrei hätte meistern können.

Genau in diesem Bereich der Strecke haben sich Claus und ich dann auch verloren. Bei den Anstiegen war ich unser Tempo etwas unterschiedlich, sodass wir anschließend beide in unserem eigenen Tempo weitergelaufen sind.

Glücklicherweise hatte ich mir den Streckenverlauf samt Höhenprofil im Vorfeld des Marsches angesehen, sodass ich wusste was mich dieses Jahr erwartete. Im Gegensatz zum vorherigen Jahr wurde die Strecke schätzungsweise zu 20 – 30 % geändert. Dabei muss ich positiv festhalten, dass die Änderungen größtenteils positiv waren. Auch wenn die Strecke dieses Jahr mit 2000 Hm nochmal 300 Hm mehr hatte als letztes Jahr, entschädigte die Strecke dies mit viele sehr schöne Passagen.

Ich lag super in der Zeit und erreichte den dritten Verpflegungspunkt nach 58 km und 10:45 Stunden Wanderzeit. Im vorherigen Jahr war der Verpflegungspunkt noch bei Kilometer 62 gewesen und damals hatte ich den Verpflegungspunkt erst nach 11:50 Stunden erreicht.

Da es bereits 02:05 Uhr nachts war als ich den Verpflegungspunkt erreichte, habe ich mich dazu entschlossen, eine möglichst kurze Pause zu machen. Schließlich wollte ich nicht auskühlen und außerdem war es so neblig und feucht, dass man am VP 3 keinen trockenen Sitzplatz finden konnte.

Trotz des bisherigen problemlosen Marschs wurden langsam die Füße schwer und der Körper meldete Schlafbedarf an. Doch ich wusste da bereits, dass es mit jedem weiteren Schritt und jedem zurückgelegten Meter noch schlimmer werden würde…

Im dichten Nebel zum letzten Verpflegungspunkt

Der vierte Streckenabschnitt (21 km) war wie beim Mammutmarsch 2018 relativ „entspannt“. Allerdings war es leider so neblig, dass man stellenweise Probleme hatte den Weg vor sich zu erkennen. So ging es am Kemnader See entlang, durch den Wald in Richtung Hattingen und anschließend ca. 9 Kilometer an der Ruhr entlang bis hinter Hattingen.

Nacht wurde es sehr nebelig

Glücklicherweise wusste ich schon vom letzten Jahr, welcher Anstieg mich vor dem letzten Verpflegungspunkt erwartete. Doch dieses Jahr ging der Anstieg durch den Wald und war nochmal deutlich anspruchsvoller als beim letzten Mammutmarsch. Diese Anpassung durch den Wald hat mir persönlich nicht so gut gefallen und dort hätte man die Strecke besser so beibehalten.

Da der Mammutmarsch NRW 2019 im Gegensatz zum Marsch 2018 ca. eine Woche später im September stattgefunden hat und ich zusätzlich noch ziemlich gut in der Zeit lag, erreichte ich den letzten Verpflegungspunkt vier bei Kilometer 79 und nach ziemlich genau 15:00 Stunden (es war also ca. halb 7 morgens) in der Morgendämmerung.

Auch in diesem Jahr haben sich die Helfer an diesem Posten wieder sehr viel Mühe gegeben und ich habe mich mit frisch geschmierten Brötchen für den letzten Streckenabschnitt (21 km) gestärkt. Zur Auswahl standen leckere Brötchen mit Käse, Salami und Nutella. Dazu noch ein paar Gummibärchen… Eben die typische Ernährung an einem Sonntagmorgen um halb 7.

Nachdem ich mir ein letztes Mal meine Füße mit Hirschtalgcreme* eingerieben hatte, war ich nach ca. 20 min Pause startklar für den letzten Abschnitt. Obwohl natürlich „startklar“ nach 15:00 Stunden wandern und fast 80 Kilometern in den Beinen einen breiten Interpretationsspielraum lässt. Immerhin war es nach meiner Pause mittlerweile einigermaßen hell, sodass das Tageslicht nochmal ein paar Kraftreserven freigesetzt hat.

Fast ohne Streckenmarkierungen ins Ziel

Nach dem letzten Streckenabschnitt hatte ich zunächst ziemlich große Probleme mit Schüttelfrost. Darüber hinaus fing mein Fuß ähnlich wie beim Mammutmarsch Berlin wieder an starkt zu schmerzen. Aber nachdem ich nun bereits über 80% der Strecke zurückgelegt hatte, war aufgeben keine Option mehr.

Den letzten Streckenabschnitt kann man eigentlich gar nicht beschrieben, denn dieser verlief einfach durch Wälder und über Straßen im gefühlten Nirgendwo. Besonders blöd war es, dass in dem letzten Abschnitt fast gar keine Streckenmarkierungen zu sehen waren. Ich weiß nicht ob die Markierungen vergessen wurden, ich mit einigen anderen Teilnehmern neben der Strecke hergelaufen bin oder ob jemand die Markierungen entfernt hatte. Zumindest wäre man ohne die GPS-Navigation vollkommen aufgeschmissen gewesen.

Mein ausführlicher Erfahrungsbericht zum Mammutmarsch NRW 2019

Bei Kilometer 95 erreichte ich endlich wieder Wuppertaler Stadtgebiet. Anschließend ging es noch durch den Wuppertaler Nordpark und anschließend wieder in Richtung Nordbahntrasse. Leider wurden meine Schmerzen im Bein kontinuierlich schlimmer. Ich kann dir sagen, wenn man ca. 25 km mit zunehmenden Schmerzen laufen muss, führt dies nicht zu einer bombastischen Stimmung. Dazu kam noch die allgemeine Müdigkeit, die Erschöpfung und der Ärger über die quasi nicht existente Streckenmarkierung. Alles in allem war ich ziemlich scheiße drauf!

Aber auch in diesem Jahr hat sich wieder die Beharrlichkeit ausgezeichnet und ich habe das Ziel nach 100 km und 19:14 Stunden erreicht. Es war wieder ein unglaublich tolles Gefühl… Es ist einfach überwältigend, wenn man realisiert, dass man gerade eine Strecke von 100 km mit seinen eigenen Beinen zurückgelegt hat.

Leider gab es dieses Jahr kein alkoholfreies Siegerbier, aber die obligatorische Holzmedaille und die Urkunde habe ich natürlich erhalten. Nach dem Marsch habe ich auch noch erfahren, dass Claus ebenfalls die 100 km geschafft und das Ziel erreicht hat. Direkt bei der ersten Teilnahme die volle Distanz bewältigt. Super Leistung!

Fazit und die Tage nach dem Marsch

Nach dem Marsch hieß es nur noch ab unter die warme Dusche, eine Kleinigkeit essen und dann zumindest ein paar Stunden Schlaf nachholen. An den darauffolgenden Tagen hatte ich noch deutliche Schmerzen im Bein, aber ansonsten hatte ich glücklicherweise keine Blasen, Muskelkater oder anderweitigen Beschwerden. Scheinbar liege ich mit meinem Trainingsplan und meiner allgemeinen Marschvorbereitung nicht so ganz falsch.

Doch nun zum Fazit. Dies war also mein Erfahrungsbericht zum Mammutmarsch NRW 2019. Alles in allem wurde die Strecke vor allem in den Abschnitten 2, 3 und 5 merklich verändert. Es gab viele gute und wenige schlechte Änderungen. Dazu kamen nochmal 300 Hm mehr, aber einige sehr schöne Abschnitte haben für die zusätzlichen Höhenmeter entschädigt.

Auch der Aufstieg zum Verpflegungspunkt 4 wurde geändert, hier die Strecke eindeutig verschlimmbessert. Der ohnehin schon sehr anspruchsvolle und schmerzhafte Anstieg wurde nochmals verschärft. Dies hätte aus meiner Sicht nicht sein müssen. Ebenfalls negativ war, dass der letzte Abschnitt fast gar nicht mehr markiert war und man ohne Navigation komplett aufgeschmissen gewesen wäre.

Neben den netten und kurzweiligen Gesprächen im ersten Teil des Marsches mit Claus, habe ich vor allem auf dem letzten Abschnitt immer wieder nette Leute kennengelernt. Dies hat mich ein bisschen von meinen Schmerzen abgelenkt und so verging der letzte Abschnitt deutlich schneller. Besonders gefreut habe ich mich, dass ich mit einigen meiner Begleiter gemeinsam das Ziel erreicht habe.

Meine Urkunde für den Mammutmarsch NRW 2019
Meine Urkunde – Damit endet mein Erfahrungsbericht für den Mammutmarsch NRW 2019

Damit endet nun auch mein Erfahrungsbericht über den Mammutmarsch NRW 2019. Ich bin wieder sehr froh an dem Marsch teilgenommen zu haben. Natürlich bin ich auch stolz wieder das Ziel erreicht zu haben und das ich meine Zeit im Gegensatz zum Vorjahr um 1:30 Stunde verbessern konnte. Wie schon im letzten Jahr, galt auch dieses Jahr wieder der Spruch: „Es gibt einen Zeitpunkt, an dem wird es nicht mehr schlimmer, ab da ist es einfach nur noch scheiße.“

Werde ich nächstes Jahr wieder teilnehmen? Aktueller Stand nein, aber du wirst es hier erfahren, wenn ich meine Meinung nochmal ändere. Solltest du auch an dem Marsch teilgenommen haben oder vorhaben an einem Marsch teilzunehmen, schreibe mir gerne einen Kommentar oder schick mir eine E-Mail.

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